Workshops – IKTTP 2026

Workshops im Rahmen des 13. IKTTP

Drei Tage, 17 Workshops – von erfahrenen Kliniker:innen und Forscher:innen geleitet.

Hinweis: Die Teilnehmerzahl pro Workshop ist begrenzt. Bitte wählen Sie Ihre Workshops bei der Registrierung aus. Die Zuteilung erfolgt nach Eingang der Anmeldung.

Workshops am Freitag

17:30 – 19:00 Uhr

WS 1

Gegenübertragung in der Therapie narzisstischer Persönlichkeitsstörungen

Stephan Doering (Wien)
Freitag, 17:30 – 19:00 Uhr

„Sie sind großartig – diese Therapie bringt mir überhaupt nichts!“
In diesem Workshop werden die typischen Übertragungsmuster von Patient:innen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung erläutert, sowie die Gegenübertragungen von uns Behandler:innen diskutiert. Wie können wir der Kontrolle durch Idealisierung oder Entwertung entrinnen und Übertragungsprozesse sogar nutzen?
Alle Teilnehmenden sind eingeladen, eigene Erfahrungen mit narzisstischen Patient:innen einzubringen.

WS 2

Körperwahrnehmung und Dissoziation

Katja Bertsch (Würzburg)
Freitag, 17:30 – 19:00 Uhr

Abgesagt.

WS 3

MBT in der Gruppe

Ulrich Schultz-Venrath (Witten/Herdecke)
Freitag, 17:30 – 19:00 Uhr

Mentalisierungsbasierte Gruppenpsychotherapie (MBT-G) wurde für Patient:innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung als Kombinationstherapie vor etwa 40 Jahren in London entwickelt. Sie zählt mit MBT zu den vier evidenzbasierten Psychotherapien für Persönlichkeitsstörungen. Inzwischen hat sich MBT-G insbesondere in Deutschland und Norwegen auch für andere Störungsbilder weiterentwickelt. Durch den Einsatz von mentalisierungsbasierter dynamischer Administration und den Fokus auf epistemisches Misstrauen hat sich Mentalisieren in Gruppen im tagesklinischen, stationären und ambulanten Versorgungssystem als sehr wirksam erwiesen. Der Behandlungserfolg ist wesentlich davon bestimmt, ob Therapeutinnen und Therapeuten prä-mentalisierende Modi frühzeitig erkennen und diese durch mentalisierungsfördernde Interaktionen, auf die näher eingegangen wird, beeinflussen können.

Literatur: U. Schultz-Venrath &. H. Felsberger: Mentalisieren in Gruppen. Klett-Cotta 2016. U. Schultz-Venrath: Mentalisieren des Körpers. 2. Aufl., Klett-Cotta 2025 [2021]. U. Schultz-Venrath: Lehrbuch Mentalisieren – Psychotherapien wirksam gestalten. 4. Aufl., Klett-Cotta 2025 [2013].

WS 4

Rupture & Repair

Larissa Vierl & Jenny Eis (München/Berlin)
Freitag, 17:30 – 19:00 Uhr

Rupturen in der therapeutischen Beziehung sind keine Ausnahmen, sondern konstitutiver Bestandteil psychotherapeutischer Beziehungsarbeit. Der Workshop vermittelt ein differenziertes Verständnis von Allianzbrüchen sowie den therapeutischen Umgang damit. Neben der theoretischen Einführung liegt ein Schwerpunkt auf der praktischen Identifikation von Mikro-Rupturen im Hier-und-Jetzt der Sitzung. Anhand klinischer Vignetten werden typische Marker für Rückzugs- und Konfrontations-Rupturen analysiert und in eine strukturierte Reparaturlogik überführt. Der Workshop verbindet empirische Evidenz zur Bedeutung gelungener Reparatur für den Therapieerfolg mit klinischer Anwendbarkeit und dem Erlernen konkreter Interventionsschritte. Das übergreifende Ziel ist, Rupturen nicht als Scheitern, sondern als entwicklungsfördernde Momente zu begreifen und therapeutisch nutzbar zu machen.

WS 5

ICD-11 Diagnostik der Persönlichkeitsstörungen

Karin Labek (Innsbruck)
Freitag, 17:30 – 19:00 Uhr

Dieser Workshop vermittelt die Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen nach der ICD-11 in einem praxisnahen, strukturierten Vorgehen. Nach einer kompakten Einführung in die ICD-11-Logik (Persönlichkeitsstörung vs. Persönlichkeitsproblematik, Schweregrad, Persönlichkeitsmerkmale, optionaler Borderline-Muster-Zusatz) arbeiten die Teilnehmenden mit Fallvignetten an der Einschätzung von Schweregrad und Merkmalsprofilen. Im Anschluss wird gemeinsam erarbeitet, wie aus der Kodierung eine kurze funktions- und merkmalsbasierte Fallformulierung abgeleitet und hinsichtlich diagnostischer Stolpersteine sowie klinischer Konsequenzen diskutiert werden kann.

WS 6

Sexualität und Persönlichkeit

Thula Koops (Hamburg)
Freitag, 17:30 – 19:00 Uhr

Sexuelles Erleben und Verhalten ist maßgeblich durch Persönlichkeitsmerkmale geprägt, weshalb eine ausführliche Sexualanamnese im Rahmen der Persönlichkeitsdiagnostik besonders aufschlussreich sein kann. In diesem Workshop werden der aktuelle Forschungsstand zu Zusammenhängen von Sexualität und Persönlichkeit sowie praktisches Wissen zur Sexualanamnese vermittelt – mit besonderem Fokus auf Aspekte, die für strukturelle Störungen relevant sind. Dabei wird auch beleuchtet, an welchen Stellen Sexualität in gängigen Interviewinstrumenten zur Persönlichkeitsdiagnostik eine Rolle spielt. Anhand von Fallbeispielen werden die Inhalte veranschaulicht und vertieft.

Workshops am Samstag

14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

WS 7

Zurückweisungsempfindlichkeit als transdiagnostischer Mechanismus bei Persönlichkeitsstörungen

Andrea Jobst-Heel (München)
Samstag, 14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

Zurückweisungsempfindlichkeit (engl. Rejection Sensitivity) erfährt derzeit – nicht zuletzt durch soziale Medien – große Aufmerksamkeit und wird insbesondere in der Jugendszene intensiv diskutiert. Konzeptuell ist Zurückweisungsempfindlichkeit ein störungsübergreifender Vulnerabilitätsfaktor und beschreibt die dispositionelle Tendenz zur (ängstlichen oder hostilen) Erwartung von Zurückweisung und verstärkten Wahrnehmung sozialer Bedrohungsreize mit intensiver emotionaler Reaktion und dysfunktionalem interpersonellem Verhalten (z.B. Rückzug, Aggression oder Klammern). Menschen mit Persönlichkeitsstörungen (z.B. mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung) können eine ausgeprägte Zurückweisungsempfindlichkeit zeigen, und eine solche Disposition wird als störungsaufrechterhaltender Faktor angesehen. Doch wie tragfähig ist die wissenschaftliche Evidenz für Zurückweisungsempfindlichkeit als zentralem transdiagnostischem Mechanismus zwischen traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und interpersonellem Erleben und Verhalten im Erwachsenenalter? Welche Relevanz kommt ihr in der Psychotherapie zu? Sind bewährte therapeutische Interventionen ausreichend, um Zurückweisungsempfindlichkeit wirksam zu adressieren, oder bedarf es einer gezielten Entwicklung spezifischer Ansätze? Der Workshop bietet eine fundierte Einführung in die Konzeptualisierung von Zurückweisungsempfindlichkeit, beleuchtet die Validität des Konstrukts und gibt einen Überblick über ihre Bedeutung bei Persönlichkeitsstörungen. Darüber hinaus werden therapeutische Ansätze aus verschiedenen Schulen dargestellt und praxisnah konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für die psychotherapeutische Arbeit diskutiert. Eigene Fallbeispiele können eingebracht werden.

WS 8

Narzissmus in Organisationen

Mathias Lohmer (München)
Samstag, 14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

Narzissmus in Organisationen hat viele Erscheinungsformen, die in diesem Workshop beschrieben werden sollen: Narzissmus als Führungsstil – was zeichnet einen solchen Führungsstil aus? Was sind die Unterschiede zwischen normalem, pathologischem und malignen Narzissmus? Narzissmus als Organisationskultur – wie steht es um Stolz vs. Minderwertigkeitsempfinden, Grandiosität vs. Realitätsbewusstsein, Risikobereitschaft vs. Hybris, Veränderungsbereitschaft vs. Disruptionslust? Und schließlich: Wie kann man als Teilnehmer einer Organisation diese aktiv mitgestalten? Methodisch werden Input, Fallbeispiele, Beispiele der Teilnehmer und Rollenspiele zur Anwendung kommen.

WS 9

Von der ICD-11 zur Praxis: Behandlung von Persönlichkeitsstörungen auf Basis von Persönlichkeitsfunktionen und Common Factors

Jana Volkert (Ulm)
Samstag, 14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

Hintergrund:
Mit der ICD-11 und dem AMPD-Modell vollzieht sich in der Konzeptualisierung von Persönlichkeitsstörungen ein Wandel hin zu einem dimensionalen Ansatz. Dieser rückt die Beeinträchtigung von Persönlichkeitsfunktionen (Kriterium A) und maladaptive Persönlichkeitsmerkmale (Kriterium B) in den Fokus. Meta-Analysen zeigen zudem, dass der Erfolg verschiedener Behandlungsansätze maßgeblich auf allgemeinen Wirkfaktoren (Common Factors) beruht.

Ziele und Inhalte:
Der Workshop gibt eine Einführung in den transdiagnostischen Ansatz der Guideline-Informed Treatment for Personality Disorders (GIT-PD; Hutsebaut et al., 2020). Die zentrale Veränderungstheorie besagt: Eine gezielte Sicherstellung der Common Factors – wie Empathie, echte therapeutische Beziehung, Konsens über Behandlungsziele und die Reparatur von Beziehungsbrüchen – stärkt direkt die Persönlichkeitsfunktionen der Patient:innen. Dadurch werden maladaptive Eigenschaften abgemildert und klinische Symptome nachhaltig reduziert.

Die Teilnehmenden lernen:
• die gezielte Stärkung von Identität, Selbststeuerung, Empathie und Intimität durch fokussiertes Fertigkeitentraining.
• den bewussten Einsatz von Wirkfaktoren
• den Umgang mit zwischenmenschlichen Fallen bei Behandlungsstagnation.
• die Ableitung funktionsbasierter Behandlungspläne.

Methodik:
Der Workshop verbindet kompakte Theorie mit Praxis. In Kleingruppen werden kleine Übungen zu Interventionen – wie das Erarbeiten von Behandlungszielen, der Umgang mit zwischenmenschlichen Fallen oder die Reparatur von Beziehungsbrüchen – anhand von Rollenspielen mit Beobachter-Feedback ausprobiert.

WS 10

Bindung und Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter

Manuela Gander (Innsbruck)
Samstag, 14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

Bindungstraumata prägen häufig die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter und beeinflussen maßgeblich therapeutische Prozesse im klinischen Alltag. Dieser Workshop verbindet aktuelle Forschung mit praxisnaher Anwendung und lädt dazu ein, bindungsbezogene Dynamiken gemeinsam zu verstehen und klinisch nutzbar zu machen.

Anhand von Daten einer stationären Stichprobe von über 200 Jugendlichen sowie mithilfe eines etablierten Bindungsinterviews (Adult Attachment Projective Picture System (AAP)) werden störungsspezifische Muster bindungsbezogener Traumatisierung vorgestellt. Dabei werden eigene Forschungsergebnisse zur besonderen Relevanz ungelöster Bindungsmuster bei Jugendlichen mit Persönlichkeitsstörungen aus dem psychiatrischen Setting präsentiert. Ergänzend werden aktuelle Befunde aus der neurobiologischen Psychotherapieforschung vorgestellt, die zeigen, wie bindungsbezogene Aktivierungsmuster mit neuronalen Regulationsprozessen verknüpft sind und therapeutische Veränderungsprozesse beeinflussen.

Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Fallbeispiele von Jugendlichen mit Persönlichkeitsstörungen, deren Bindungsdynamiken gemeinsam erarbeitet und in ihrer Bedeutung für Beziehungsgestaltung und Interventionsplanung reflektiert werden. Abschließend wird eine neu entwickelte bindungsbasierte Intervention am Fall einer jugendlichen Patientin exemplarisch vorgestellt und konkret für den therapeutischen Alltag eingeordnet. Der Workshop richtet sich an Kliniker*innen und Forschende, die Bindungsthemen vertieft verstehen und unmittelbar in ihre tägliche Arbeit integrieren möchten.

WS 11

Einsamkeit und Persönlichkeitsdimension

Mathias Reinhard (München)
Samstag, 14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

Einsamkeit ist ein zentrales, jedoch häufig unzureichend beachtetes Phänomen in der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. Viele Betroffene erleben chronische Gefühle von innerer Leere, sozialer Entfremdung und Nicht-Zugehörigkeit, die mit erheblichem Leidensdruck einhergehen und interpersonelle Schwierigkeiten zusätzlich verstärken. Trotz ihrer hohen klinischen Relevanz wird Einsamkeit in der psychotherapeutischen Praxis bislang oft nicht explizit konzeptualisiert oder gezielt behandelt. Der Workshop widmet sich der Frage, wie Einsamkeit im Kontext von Persönlichkeitsstörungen entsteht und welche intrapsychischen und interpersonellen Mechanismen zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen. Auf dieser Grundlage werden störungsübergreifende therapeutische Ansatzpunkte vorgestellt und praxisnah diskutiert. Im Fokus stehen Interventionen, die Selbstfürsorge, Emotionsregulation und soziale Kompetenzen fördern sowie die therapeutische Beziehung als korrigierende Beziehungserfahrung nutzen. Ziel des Workshops ist es, Einsamkeit als eigenständigen therapeutischen Fokus zu verstehen und konkrete Strategien zu vermitteln, um Menschen mit Persönlichkeitsstörungen wirksam bei der Überwindung von Einsamkeit zu unterstützen.

WS 12

Entwicklung der Persönlichkeit – eine therapeutische Aufgabe

Adrian Lambert & Martin Sack (München)
Samstag, 14:00 – 15:30 Uhr & 16:00 – 17:30 Uhr

Psychische Stabilität steht in Zusammenhang mit befriedigten und unbefriedigten Entwicklungsbedürfnissen. Entscheidend hierbei ist die Qualität der Interaktion mit den signifikanten Bezugspersonen in der Kindheit und Jugend. Psychische Instabilität deutet auf potentiell brachliegende Bedürfnisse hin, da in diesem Fall positive Beziehungserfahrungen nicht in ausreichender Weise erworben werden konnten oder durch traumatisierende Erfahrungen nicht zugänglich und verletzt sind. Grundsätzlich können Entwicklungsbedürfnisse über die gesamte Lebenszeit hinweg gefördert und befriedigt werden und damit kindliche Mangelerfahrungen kompensiert und Entwicklungsschritte nachgeholt werden.

In diesem Workshop wird ein diagnostisches Konzept mit jeweils vier Bindungsbedürfnissen und vier Individuationsbedürfnissen vorgestellt, welches eine Diagnostik brachliegender Bedürfnisse ermöglicht und daraus abgeleitet, therapeutische Interventionen mit dem Ziel einer Befriedigung jener Bedürfnisse planbar macht. Die therapeutische Anwendung wird anhand von Fallbeispielen der teilnehmenden Kolleg:innen anschaulich gemacht und gemeinsam diskutiert. Darüber hinaus werden weitere Aspekte einer entwicklungsfördernden Psychotherapie im Überblick vorgestellt, welche in die klinische Praxis integriert werden können.

Workshops am Sonntag

11:00 – 12:30 Uhr & 14:00 – 15:30 Uhr

WS 13

Einführung in das SCID-5-AMPD

Susanne Hörz-Sagstetter & Leonie Kampe (München/Berlin)
Sonntag, 11:00 – 12:30 Uhr & 14:00 – 15:30 Uhr

In der Diagnostik der Persönlichkeitsstörungen hat eine Transition stattgefunden: Seit Einführung des alternativen DSM-5 Modells der Persönlichkeitsstörungen (APA, 2013) und dem entsprechenden Schweregradmodell in der ICD-11 werden Persönlichkeitsstörungen nicht mehr kategorial, sondern dimensional nach dem Grad ihrer funktionalen Beeinträchtigungen und maladaptiven Charaktereigenschaften diagnostiziert. Für diesen neuen diagnostischen Ansatz wurden auch neue klinische Interviews entwickelt, die die Diagnostik der Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktion und der Persönlichkeitsmerkmale nach dem dimensionalen Schweregradmodell möglich machen. Die neuen Strukturierten Klinischen Interviews für das Alternative DSM-5®-Modell für Persönlichkeitsstörungen (SCID-5-AMPD; Hörz-Sagstetter, Mokros & Zimmermann, 2025) sind 2025 in deutscher Übersetzung im Hogrefe Verlag erschienen und sind damit für Forschung und Praxis zugänglich. Dieser Workshop stellt die theoretische Entwicklung, die diagnostischen Veränderungen und mit Schwerpunkt die neuen SCID-5-AMPD Interviews vor (Modul I: Persönlichkeitsfunktion, Modul II: Persönlichkeitsmerkmale, Modul III: Persönlichkeitsstörungen) und anhand von Videobeispielen demonstriert. Die neuen diagnostischen Zugänge sollen so mit den Teilnehmenden erlebt und diskutiert werden.

WS 14

Dimensionen der Demut: Die „Not-knowing Stance“ als therapeutische Haltung und Herausforderung

Emanuel Severus & Michael Reininger (Hamburg)
Sonntag, 11:00 – 12:30 Uhr & 14:00 – 15:30 Uhr

In der Mentalisierungsbasierten Therapie ist eine wichtige Haltung, dass das Nicht-Wissen aufseiten der Therapeut:innen Grundlage für psychotherapeutische Interventionen darstellt. Auch Konzepte der „negative capability“ (Keats, 1817; Bion, 1970) sprechen über das Phänomen, Nicht-Wissen auszuhalten. Die Dialektisch Behaviorale Therapie wiederum geht in ihrer (dialektischen) Weltanschauung u.a. davon aus, dass es keine absolute Wahrheit gibt, sondern jede Position nur eine Teilwahrheit darstellt, somit verschiedene Perspektiven gleichzeitig gültig sein können und die Synthese dieser verschiedenen Sichtweisen im Konsultationsteam (dem auch die Patient:innen angehören) zu einem vollständigeren Verständnis der Problematik der Patient:innen führen kann. In dem Workshop geht es einerseits um die Auseinandersetzung mit dem theoretischen Rahmen einer nicht-wissenden, demütigen Haltung und wie diese empirisch mit therapeutischen Outcomes assoziiert sind, andererseits soll Raum sein, über „Angriffe auf den „nicht-Wissenden“ Denkraum nachzudenken und diese gemeinsam zu reflektieren. Insofern sind die Teilnehmenden eingeladen, Fallbeispiele mitzubringen, die in der Gruppe besprochen werden können.“

WS 15

Bindung und Persönlichkeitsstörungen

Anna Buchheim (Innsbruck)
Sonntag, 11:00 – 12:30 Uhr & 14:00 – 15:30 Uhr

Abstract folgt.

WS 16

Oft unterschätzt und nie perfekt: Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Götz Berberich & Richard Schreiber (Windach)
Sonntag, 11:00 – 12:30 Uhr & 14:00 – 15:30 Uhr

Die Therapie von Patient:innen mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung (obsessive-compulsive personality disorder; OCPD) erzeugt bei vielen Psychotherapeut:innen wenig Euphorie. Narzissmus, Histrionik und Borderline versprechen mehr Dramatik und weniger „Verkrampfung“. Welcher Therapeut, welche Therapeutin will sich da schon mit solch zwanghaften Menschen abgeben? Dabei handelt es sich nicht nur um eine sehr verbreitete Störung, die aufgrund Ihrer Komorbiditäten ein fundierte Diagnostik erfordert, sondern auch eine Herausforderung für jede:n Therapeut:in hinsichtlich der Beziehungsgestaltung und der Interventionen.

Der Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Allianz bei Patient:innen mit OCPD gestaltet sich aufgrund verdeckt ausagierter unbewusster Autonomie- und Kontrollwünsche oft problematisch. Eine transparente Kommunikation, sichere Verlässlichkeit sowie die Einbindung der Patient:innen in Entscheidungen können helfen, eine Lockerung der rigiden Abwehr zu erreichen. Die Erarbeitung konkreter Veränderungsziele und Methoden kommt der Struktur dieser Patient:innen entgegen und ermöglicht, sich auch den Stärken und Möglichketen dieser Persönlichkeit anzunähern. Selbst Eigenschaften wie Perfektionismus, Kontrollbedürfnis und Eigensinn haben manchen Künstler:innen zu bemerkenswerten kreativen Leistungen verholfen – wie wir zum Ausklang unseres Workshops zeigen wollen.

WS 17

Umgang mit dem Ungeliebten: Ein Therapielabor zum Thema somatoformer Störungen

Joram Ronel & Judith Gorgass (Barmelweid)
Sonntag, 11:00 – 12:30 Uhr & 14:00 – 15:30 Uhr

Die von Somatiker*innen wie von Psychotherapeut*innen oftmals ungeliebten Patient*innen mit funktionellen und somatoformen Syndromen erleben häufig Unverständnis und Ablehnung in medizinischen und therapeutischen Kontexten. Die Versorgung solcher Patient*innen ist vielfach ungeliebt, unbefriedigend und mangelhaft. Neben einer kurzen theoretischen Einführung werden in Zusammenarbeit mit der renommierten Schauspielpatientin Judith Gorgass aus München, im Workshop zusammen mit den Teilnehmenden interaktiv Interventionen geübt, um die pathognomonisch reinszenierenden Beziehungsenttäuschungen und Übertragungs-Projektionen zu integrieren und bestenfalls reparativ zu gestalten. Es sollen eine strukturpsychopathologisch und entwicklungspsychologisch orientierte Grundhaltung erarbeitet und psychodynamische Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Das Therapielabor bietet hier hervorragende und spielerische Möglichkeiten des Ausprobierens und des gemeinsamen Entwickelns von behandlungstechnischen Strategien und psychotherapeutischen Haltungen.

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